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BI-Software vs. Planungstools im Mittelstand: Warum die Grenze gerade verschwindet

Geschrieben von Tim Erben | 06.10.26, 05:00

Viele mittelständische Unternehmen sehen sich früher oder später mit derselben Frage konfrontiert. Die Excel-Landschaft ist unübersichtlich geworden, für die Erstellung der Monatsberichte werden Tage statt Stunden benötigt und die Geschäftsführung wünscht sich verlässliche Zahlen auf Knopfdruck. Schnell fallen zwei Begriffe: Business Intelligence (BI) und Unternehmensplanung. Beide versprechen mehr Transparenz und bessere Entscheidungen, lösen jedoch unterschiedliche Probleme.

Dieser Artikel erklärt, worin sich BI und Planung unterscheiden, warum die klassische Trennung in zwei getrennte Systeme an Bedeutung verliert und wie Microsoft Fabric beide Welten auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenführt. Am Beispiel der Personaleinsatzplanung wird deutlich, wie das in der Praxis aussieht.

 

Zwei Blickrichtungen: zurück und nach vorn

Der wichtigste Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen: BI schaut in den Rückspiegel, die Planung schaut durch die Windschutzscheibe.

BI beantwortet die Frage „Was ist passiert und warum?”. Dafür werden Daten aus ERP-, CRM-, Warenwirtschafts- oder Buchhaltungsprogrammen zusammengeführt und in Dashboards und Berichten sichtbar gemacht. Umsatz nach Region, Deckungsbeitrag je Produktgruppe oder offene Posten: All das lässt sich analysieren und bis auf Belegebene herunterbrechen. Dabei fließen die Daten in eine Richtung, vom Quellsystem zum Betrachter. Der Nutzer liest, er schreibt nicht zurück.

Planung beantwortet dagegen die Frage „Was soll passieren und was wäre, wenn?“. Hier geben Menschen aktiv Zahlen ein: Budgets, Absatzmengen, Personalbedarfe, Investitionen. So entstehen Versionen, Szenarien und Freigabeschritte. Das technische Stichwort lautet „Write-back“: Daten werden nicht nur gelesen, sondern auch erfasst und zurückgeschrieben.

 

Das eigentliche Problem sind getrennte Datenwelten

In vielen mittelständischen Unternehmen existieren BI und Planung bis heute in getrennten Welten. Das Reporting zieht Ist-Daten aus dem ERP, während die Planung in Excel-Dateien erfolgt, die per E-Mail kursieren. Beim Plan-Ist-Vergleich beginnt dann das mühsame Abgleichen: Stimmen die Kostenstellen überein? Welche Version des Budgets gilt? Warum weicht die Zahl im Dashboard von der in der Planungsdatei ab?

Besonders deutlich wird das bei der Personaleinsatzplanung. Die Bedarfe stehen in einer Liste, die Verfügbarkeiten in einer zweiten und welche Mitarbeitenden welche Skills mitbringen, ist oft nur der Teamleitung bekannt. Bis daraus ein abgestimmter Plan entsteht, sind zahlreiche Abstimmungsschleifen nötig. Wenn später jemand fragt, warum ein Einsatz so und nicht anders geplant wurde, fehlt häufig die nachvollziehbare Begründung.

Die Frage lautet deshalb immer seltener „BI oder Planung?“, sondern „Wie bringen wir beides auf eine gemeinsame Datengrundlage?“

 

Microsoft Fabric ist eine Plattform für Analyse und Planung

Genau hier setzt Microsoft Fabric an. Sie bündelt Datenintegration, Datenhaltung, Analyse und inzwischen auch Planung in einer einzigen Lösung. Die folgende Übersicht zeigt, wie die einzelnen Bausteine zusammenspielen.

OneLake, der zentrale Datenspeicher von Fabric, bildet das Fundament. Mit Data Factory werden Rohdaten aus den Quellsystemen geladen, bereinigt und im Lakehouse strukturiert abgelegt. Auf dieser gemeinsamen Basis setzen zwei Werkzeuge auf, die zusammen den Rückspiegel und die Windschutzscheibe abdecken.

Power BI übernimmt die Business-Intelligence-Seite. Dashboards und Berichte greifen direkt auf die bereinigten Daten im Lakehouse zu, ohne dass zusätzliche Exporte oder Kopien erforderlich sind. So können Fachbereiche eigenständig Fragen an ihre Daten stellen, während das Controlling entlastet wird.

Fabric IQ Planning übernimmt die Planungsseite. Aus derselben Datengrundlage entsteht ein Plan, den Teams direkt bearbeiten können. Vorgesetzte prüfen den Entwurf, passen ihn an und kommentieren ihn. Dadurch bleibt der Planungsstand jederzeit nachvollziehbar und Plan- und Ist-Daten passen zueinander, da sie aus demselben Fundament stammen.

Der entscheidende Vorteil für den Mittelstand ist, dass es nicht mehr zwei Datenwelten gibt, die mühsam abgeglichen werden müssen, sondern nur noch eine. Plan-Ist-Vergleiche werden vom Kraftakt zur Selbstverständlichkeit.

 

Praxisbeispiel: Personaleinsatzplanung neu gedacht

Wie das konkret funktioniert, zeigt die Personaleinsatzplanung. Sie ist ein gutes Beispiel, weil Analyse und Planung eng verzahnt sind: Um einen tragfähigen Einsatzplan zu erstellen, muss man wissen, wer verfügbar ist und was er kann (Analyse).

Im ersten Schritt führt Fabric Bedarfe, Verfügbarkeiten und Einsatzmöglichkeiten zusammen, die bisher in getrennten Systemen vorlagen. Dabei zeigt sich schnell, welche Datenqualität für die Planung tatsächlich erforderlich ist. Im zweiten Schritt wird in Fabric IQ Planning ein Planentwurf erstellt, den die Vorgesetzten prüfen, anpassen und kommentieren.

Im dritten Schritt kommt die Ontology ins Spiel. Sie verknüpft Mitarbeitende und Teams mit ihren Rollen, Fähigkeiten und Einsätzen. Das klingt technisch, hat aber einen sehr praktischen Nutzen: Alle Beteiligten – Menschen wie KI – verstehen dasselbe, wenn im Plan von einer bestimmten Rolle oder Qualifikation die Rede ist. Deshalb erfolgt die saubere Begriffsklärung vor dem Einsatz von KI.

Im vierten Schritt unterstützen KI-Agenten die Planung. Man stellt dem Plan Fragen und der Agent weist auf mögliche Engpässe hin. Wichtig dabei ist: Die KI ist eine Assistenz, kein Entscheider. Datenqualität, Zugriffsrechte und Freigabeprozesse setzen klare Leitplanken und die finale Entscheidung trifft immer ein Mensch.

 

Stärken und Schwächen im Überblick

Welcher Ansatz der richtige ist, hängt davon ab, wo im Unternehmen aktuell der größte Aufwand entsteht. Die folgende Tabelle stellt die drei typischen Vorgehensweisen einander gegenüber.

  Reine BI-Lösung Separates Planungstool Integriert mit Microsoft Fabric
Stärken Schnelle Transparenz über Ist-Zahlen, automatisiertes Reporting, Self-Service für Fachbereiche Strukturierte Planungsprozesse, Versionen, Szenarien und Freigaben statt Excel-Chaos Eine Datenbasis für Ist und Plan, Plan-Ist-Vergleiche ohne Abgleich, nachvollziehbare Reviews, KI-Unterstützung über Ontology und AI Agents
Schwächen Kein Write-back, Planung bleibt meist in Excel, Plan-Ist-Vergleich erfordert manuelle Importe Eigene Datenwelt neben dem Reporting, Schnittstellen und Stammdaten doppelt pflegen Erfordert saubere Stammdaten und klare Begriffe, Aufbau von Plattform-Know-how, Governance für Rollen, Zugriffe und KI vorab klären
Aufwand im Betrieb Gering bis mittel Mittel, da zwei Systeme gepflegt werden Anfangs höher, langfristig geringer durch ein gemeinsames Fundament
Geeignet, wenn Das Hauptproblem uneinheitliche Berichte sind Nur die Planung akut schmerzt und das Reporting gut läuft Analyse und Planung eng verzahnt sind, etwa in der Personaleinsatzplanung

 

 

Worauf Mittelständler achten sollten

Die Technologie ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie aufsetzt. Bevor ein Unternehmen in eine integrierte Plattform investiert, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme:

Sind die Stammdaten im ERP einheitlich gepflegt? Sind Kostenstellen, Rollen und Qualifikationen klar definiert? Gerade bei der Personaleinsatzplanung entscheidet die Datenqualität darüber, ob ein Plan belastbar ist.

Ebenso wichtig ist die Akzeptanz. Ein Planungsprozess, den die Fachbereiche als Zusatzaufwand empfinden, wird umgangen. Deshalb sollten die späteren Nutzer frühzeitig eingebunden werden und der Review-Schritt für Vorgesetzte sollte so gestaltet sein, dass er im Alltag tatsächlich genutzt wird.

Beim Thema KI gilt es, vorher zu klären, welche Rollen welche Zugriffe haben, welche Freigaben nötig sind und wo die Grenzen der Automatisierung liegen. Wer diese Governance-Fragen früh beantwortet, kann KI-Agenten später sicher und gewinnbringend einsetzen.

 

Ein pragmatischer Fahrplan

Der Einstieg muss nicht groß sein. Bewährt hat sich ein Vorgehen in Stufen. Zunächst wird eine gemeinsame Datenbasis in OneLake und Lakehouse erstellt, verbunden mit ersten Power-BI-Berichten, die sofort einen sichtbaren Nutzen stiften. Im nächsten Schritt folgt ein klar umrissener Planungs-Use-Case, beispielsweise die Personaleinsatzplanung eines Bereichs. Erst wenn Daten und Prozesse stabil laufen, kommen Ontology und AI Agents hinzu.

So entstehen schnelle Erfolge, die Vertrauen schaffen, und die Plattform wächst mit den Anforderungen des Unternehmens mit.

 

Selbst ausprobieren: Webinar und Workshop

Wer tiefer einsteigen möchte, hat im Herbst zwei Gelegenheiten, die beiden Seiten dieses Artikels live zu erleben.

In dem kostenlosen Webinar „Personaleinsatzplanung mit Fabric IQ Planning“, das am 29. Oktober 2026 um 10 Uhr stattfindet, zeigt Oliver Antosch, Principal Consultant bei roosi, in 60 Minuten den Weg von der Verfügbarkeit über den Review bis zum freigegebenen Plan. Dabei geht es auch um die Datenerfassung und die Leitplanken für AI Agents. Im Anschluss bleibt Zeit für Fragen zur eigenen Planung. Das Webinar richtet sich an die Bereiche HR und Workforce Planning, an Fachverantwortliche, an Fabric- und Data-Teams sowie an IT- und BI-Entscheider.

Zur Anmeldung: https://news.roo.si/webinar/personaleinsatzplanung-fabric-iq 

Wer lieber selbst Hand anlegt, ist im Hands-on-Workshop „Von Rohdaten zum Dashboard“ am 12. November 2026 von 13 bis 17 Uhr genau richtig. In einer kleinen Online-Gruppe von vier bis sechs Personen laden die Teilnehmenden unter Anleitung von Markus Begerow Daten in OneLake, strukturieren sie im Lakehouse, transformieren sie mit Data Factory und erstellen ein Dashboard in Power BI. roosi stellt dafür eine vorbereitete Fabric-Testumgebung bereit, sodass im eigenen Tenant nichts eingerichtet werden muss.

Zur Anmeldung: https://news.roo.si/workshop/12-11-2026/microsoft-fabric 

 

Fazit

BI und Planung sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. BI schafft Klarheit über Vergangenes. Planung gibt Orientierung für das, was kommen soll. Lange Zeit bedeutete dies zwei Systeme, zwei Datenwelten und viel manuellen Abgleich.

Mit Microsoft Fabric verschwimmt diese Grenze zunehmend. Power BI und Fabric IQ Planning nutzen dieselbe Datenbasis, die Ontology sorgt für ein gemeinsames Verständnis von Rollen und Fähigkeiten und KI-Agenten unterstützen dort, wo es sinnvoll ist, ohne den Menschen die Entscheidung abzunehmen. Für den Mittelstand bedeutet das: Man muss sich nicht mehr fragen „BI oder Planung?“, sondern kann mit einer soliden Datenbasis beginnen und beide Welten Schritt für Schritt zusammenführen.