Der Wert einer Information hängt nicht daran, wie sauber sie modelliert ist. Er hängt daran, ob jemand danach etwas anderes tut.
Nehmen Sie sich im nächsten Jour fixe einen beliebigen Bericht aus Ihrem Berichtswesen vor. Fragen Sie nicht, wie er gebaut ist oder welche Quellen er zieht. Fragen Sie, welche Entscheidung damit getroffen wird und was passieren würde, wenn die Zahl morgen deutlich anders aussieht.
In vielen Unternehmen bleibt es an dieser Stelle still. Längst vergessen die Intention warum und wofür dieser Bericht angefordert wurde, aber auf der "Speisekarte" bleibt er trotzdem. Er wird weiterentwickelt und gepflegt, ohne einen relevanten Beitrag zu leisten, außer den verursachten Kosten.
Die übliche Reihenfolge kennt jedes Datenteam. Ein Fachbereich meldet einen Bedarf, das Team nimmt ihn auf, priorisiert nach Dringlichkeit und Lautstärke und liefert. Was dabei selten passiert, ist eine Prüfung des Bedarfs selbst.
Das ist kein Vorwurf an die Fachbereiche. Wer eine Anforderung formuliert, beschreibt naturgemäß eine Lösung, nicht das dahinterliegende Problem. Gefragt wird nach einem Dashboard mit Umsatz je Region und Monat. Gemeint ist vielleicht die Frage, ob ein Vertriebsgebiet neu zugeschnitten werden muss. Beides führt zu sehr unterschiedlichen Datenprodukten.
Die Folge ist ein Portfolio, das über die Jahre wächst und nie schrumpft. Der Aufwand landet dort, wo jemand etwas bestellt hat, selten dort, wo eine Entscheidung darauf wartet.
Die Informationsbedarfsforschung beschreibt dieses Auseinanderfallen seit Jahrzehnten mit einem schlichten Modell. Drei Mengen lassen sich gut nebeneinander legen:
Aus dem subjektiven Bedarf wird nur ein Teil auch wirklich ausgesprochen. Diese Informationsnachfrage ist das, was als Ticket, E-Mail oder Anforderung bei Ihnen ankommt. Sie ist der kleinste der vier Ausschnitte und zugleich der einzige, den die meisten Datenorganisationen überhaupt zu sehen bekommen.