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Welche Entscheidungen werden auf Basis Ihres Dashboard getroffen?
Roland Strilka
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09.09.26, 15:40
Der Wert einer Information hängt nicht daran, wie sauber sie modelliert ist. Er hängt daran, ob jemand danach etwas anderes tut.
Nehmen Sie sich im nächsten Jour fixe einen beliebigen Bericht aus Ihrem Berichtswesen vor. Fragen Sie nicht, wie er gebaut ist oder welche Quellen er zieht. Fragen Sie, welche Entscheidung damit getroffen wird und was passieren würde, wenn die Zahl morgen deutlich anders aussieht.
In vielen Unternehmen bleibt es an dieser Stelle still. Längst vergessen die Intention warum und wofür dieser Bericht angefordert wurde, aber auf der "Speisekarte" bleibt er trotzdem. Er wird weiterentwickelt und gepflegt, ohne einen relevanten Beitrag zu leisten, außer den verursachten Kosten.
Aufwand folgt der Bestellung, nicht der Entscheidung
Die übliche Reihenfolge kennt jedes Datenteam. Ein Fachbereich meldet einen Bedarf, das Team nimmt ihn auf, priorisiert nach Dringlichkeit und Lautstärke und liefert. Was dabei selten passiert, ist eine Prüfung des Bedarfs selbst.
Das ist kein Vorwurf an die Fachbereiche. Wer eine Anforderung formuliert, beschreibt naturgemäß eine Lösung, nicht das dahinterliegende Problem. Gefragt wird nach einem Dashboard mit Umsatz je Region und Monat. Gemeint ist vielleicht die Frage, ob ein Vertriebsgebiet neu zugeschnitten werden muss. Beides führt zu sehr unterschiedlichen Datenprodukten.
Die Folge ist ein Portfolio, das über die Jahre wächst und nie schrumpft. Der Aufwand landet dort, wo jemand etwas bestellt hat, selten dort, wo eine Entscheidung darauf wartet.
Vier Mengen, die selten deckungsgleich sind
Die Informationsbedarfsforschung beschreibt dieses Auseinanderfallen seit Jahrzehnten mit einem schlichten Modell. Drei Mengen lassen sich gut nebeneinander legen:
- der objektive Informationsbedarf, also alles, was zur Lösung einer Aufgabe sachlich nötig wäre
- der subjektive Informationsbedarf, also das, was die handelnde Person selbst für nötig hält
- das Informationsangebot, also das, was Ihre Systeme tatsächlich bereitstellen
Aus dem subjektiven Bedarf wird nur ein Teil auch wirklich ausgesprochen. Diese Informationsnachfrage ist das, was als Ticket, E-Mail oder Anforderung bei Ihnen ankommt. Sie ist der kleinste der vier Ausschnitte und zugleich der einzige, den die meisten Datenorganisationen überhaupt zu sehen bekommen.
Methodisches Vorgehen im Anforderungsmanagement
Eine Information hat nur Wert, wenn sie etwas ändert
Die zweite Einsicht stammt aus der Entscheidungstheorie und ist noch unbequemer. Eine Information hat genau dann einen Wert, wenn sie eine Entscheidung verändern kann. Handeln Sie vor und nach dem Blick auf diese Information gleich, war die Zahl wertlos, unabhängig davon, wie präzise, aktuell und schön visualisiert sie war.
Daraus wird ein sehr praktischer Test. Fragen Sie den Anforderer, ab welchem Wert oder ab welcher Abweichung er anders handeln würde. Wer einen Schwellenwert nennen kann, hat eine echte Entscheidung im Kopf. Wer keinen nennen kann, hat ein Interesse, aber keinen Bedarf. Beides ist legitim, nur rechtfertigt das eine ein Datenprodukt und das andere nicht.
Bemerkenswert oft entsteht dieses Gespräch überhaupt zum ersten Mal, wenn jemand die Frage stellt. Der Fachbereich weiß in der Regel sehr genau, was er entscheiden muss. Er wird nur selten danach gefragt.
Von der Anforderung zur Reihenfolge
Eine Informationsbedarfsanalyse macht aus diesen beiden Gedanken ein Vorgehen. Sie nimmt Anforderungen nicht als gegeben, sondern führt sie auf die Entscheidung zurück, der sie dienen. Aus den geprüften Bedarfen entsteht eine Bedarfsliste und daraus ein Fachdatenmodell, dass Anforderungen aus fachlicher Sicht beschreibt und technische Perspektive außer Acht lässt. So wird über den tatsächlichen Beitrag zur Wertschöpfung gesprochen, bevor über Tabellen und Ladestrecken diskutiert wird.
Das Fachdatenmodell ist dabei nicht der Schlusspunkt, sondern das Scharnier. Es übersetzt geprüfte Bedarfe in Objekte, Kennzahlen und Beziehungen, die alle Beteiligten gleich verstehen. Erst danach ist eine belastbare Aussage darüber möglich, was zuerst gebaut wird, was später kommt und was gar nicht.
Drei Fragen für Ihre nächste Anforderung
Sie brauchen für den Einstieg kein Projekt. Sie brauchen drei Fragen, die vor dem Bauen gestellt werden:
- Welche Entscheidung wird mit dieser Information getroffen, und von wem?
- Ab welchem Wert oder ab welcher Abweichung fällt diese Entscheidung anders aus?
- Was passiert konkret, wenn die Information nicht vorliegt?
Stellen Sie diese Fragen konsequent bei den nächsten zehn Anforderungen. Erfahrungsgemäß fällt ein spürbarer Teil davon heraus oder verändert seinen Zuschnitt deutlich. Der freigewordene Aufwand wandert dorthin, wo tatsächlich eine Entscheidung wartet.
Das ist der eigentliche Hebel. Nicht mehr Daten, nicht schnellere Ladestrecken, sondern die Bereitschaft, den Bedarf zu hinterfragen, bevor Budget fließt.
Webinar am 29. September 2026
Wie eine Informationsbedarfsanalyse in der Praxis abläuft, welche Fragen sich bewährt haben und wie aus der Bedarfsliste ein Fachdatenmodell wird, zeigt Roland Strilka in einem einstündigen Webinar am 29.09.2026 um 10:00 Uhr. Im Anschluss bleibt Zeit für Ihre Fragen.
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